Liberating Gelsenkirchen

Der lange Weg zum 10. April 1945

Amerikanische Kriegsverbrechen

Im Großen und Ganzen verlief das Zusammenleben zwischen Soldaten und Zivilisten entspannt und vielfach waren es die Soldaten, die Schokolade und Zigaretten an Jung und Alt verschenkten. Es entstanden sogar trotz des Fraternisierungsverbotes Freund- und Liebschaften. Jedoch kam es auch zu Verbrechen seitens amerikanischer Soldaten wie dieser eindrucksvolle Auszug aus dem Journal des 134th Infantry Regiments beweißt:

[...] Während unserer gegenwärtigen Situation müssen alle gewissenhaft auf das Erscheinungsbild ihrer Unterkünfte und sich selbst achten. Dies gilt ganz besonders für die Soldaten, die nicht an der Front sind. Zivilisten werden für die Polizeiarbeit genutzt, jedoch müssen diese bei einem Vertreter der Militärregierung angefordert werden. Diese Zivilisten müssen die gesamte Zeit unter Beobachtung stehen.

Es wurden in den letzten 1 1/2 Tagen 10 Fälle von Vergewaltigungen in diesem Gebiet gemeldet. 9 davon wurden von farbigen Soldaten begangen, letzte Nacht jedoch brachen zwei weiße Soldaten in eine Wohnung ein und versuchten die Tochter der Dame des Hauses zu bedrängen. Sie rannte weg und versteckte sich auf dem Dachboden. Nachdem die beiden Soldaten die Wohnung verlassen hatten kam sie wieder herunter. Dinge dieser Art müssen gestoppt werden. Sie werden sofort untersucht und strengstens geahndet. Die Militärpolizei fand zwei Soldaten in einem Haus mit einem jungen Mädchen. Der Militärpolizist war alleine und als er den beiden Männern befahl zu gehen wurde er mit einer Pistole bedroht und sagten ihm er solle gehen und sie würden machen, was sie wollten. Nach diesem Zwischenfall sollen Militärpolizisten immer zu zweit oder zu dritt unterwegs sein und Schlagstöcke tragen. Die Militärpolizei griff zwei weitere Männer auf die mit einer Frau zusammen waren und übergab diese dem Personaloffizier eines unserer Battalions. Sie werden umgehend zur Verantwortung gezogen. Wenn die Männer nicht die richtigen Informationen zum Fraternisierungsverbot bekommen ist dies die Schuld der Kommandeure. [...]


134th Infantry Regiment Journal, 6. April 1945

Ob und in wie weit die hier beschriebene Ahndung solcher Verbrechen durch die Militärgerichtsbarkeit der 35th Infantry Division durchgeführt wurde ist nicht überliefert. Da diese Berichte bei den Regiments-Stäben aufbewahrt wurden, war es üblich keine Namen von Soldaten zu einzelnen Ereignissen festzuhalten. Ebenso ist es selten diese deutlichen Einträge zu eigenen Kriegsverbrechen zu finden, da diese Informationen nicht dem Feind in die Hände fallen sollten.

Ein weiteres sehr spannedes Detail ist die hier doch sehr deutlich erkennbare rassistische Einstellung die sich in der US Army (bis in die 50er Jahre segregiert - sprich "schwarz von "weiß" getrennt) wiederfindet: 9 von diesen Verbrechen wurden durch Farbige begangen, das eine jedoch von Weißen verübte erhält wesentlich mehr Aufmerksamkeit.

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