Liberating Gelsenkirchen

Der lange Weg zum 10. April 1945

Wirtschaftskrise & Inflation

Neben der Besetzung des Ruhrgebietes durch französische und belgische Truppen, brachte das Jahr 1923 noch ein zweites großes Ereignis hervor, welches in den Augen der meisten Historiker den Weg für die Nationalsozialisten ebnete.

Die Finanzblase der Kriegsanleihen aus dem Ersten Weltkrieg platze und die Weimarer Republik begann Geld zu drucken um den Bürgern die Anleihen auszubezahlen. Eigentlich hätten diese Anleihen von den durch das Deutsche Reich besiegten Alliierten zurückgezahlt werden sollen. Doch vielmehr war es jetzt die Weimarer Republik, die zusätzlich noch erhebliche Reparationszahlungen, besonders an Frankreich, zu leisten hatte. So wurden immer mehr Banknoten in Umlauf gebracht und genauso wie heute verfällt natürlich der Wert, je mehr Banknoten im Umlauf sind.

Löhne und Preise explodierten, bis die Mark schließlich das Wertniveau von Monopoli-Geld erreicht hatte. Schubkarren voller Geld mussten zum Bäcker gefahren werden um Brötchen zu kaufen. Firmen gaben ihren Mitarbeitern am Tag der Lohnzahlung frei, damit sie Lebensmittel kaufen konnten bevor der Lohn nichts mehr wert war.

Auf Planet-Wissen.de werden zum Anfang und zum Höhepunkt der Hyperinflation 1923 folgende Preise für Berlin ausgewiesen:


Juni 1923

Dezember 1923

1 Ei

800 Mark

320 Milliarden Mark

1L Milch

1440 Mark

360 Milliarden Mark

1kg Kartoffeln

5000 Mark

90 Milliarden Mark

1 Straßenbahnfahrt

600 Mark

50 Milliarden Mark

1 US-Dollar

100.000 Mark

4,21 Billionen Mark

Es gab jedoch auch zwei, wenn man so sagen mag, Vorteile an dem schnellen Wertverfall. Wer bespielsweise 1922 noch einen Kredit für ein Haus aufgenommen hatte, konnte diesen 1923 sofort abbezahlen (Prinzip Mark für Mark). Ebenso erkannten einige Unternehmer die Zeichen der Zeit früh genug und tauschten große Mengen Mark in US-Dollar um. Somit konnte den Mitarbeitern eine stabilie Gehaltszahlung gewährt werden.

Im November 1923 wurde mit der Rentenmark eine neue Währung eingeführt, welche die Hyperinflation im Jahr 1924 beendete und parallel zur neu geschaffene Reichsmark galt. Auch die deutschen Kriegsschulden lösten sich somit quasi in Luft auf und die überstandene Krise gab den Startschuss für die Goldenen Zwanziger Jahre.

Inflationsgeld der Reichsbank

Anfangs noch in Tausenderschritten, dann doch schnell immer größer und größer wurden die Nennbeträge der Geldscheine und Münzen.

Teilweise verfiehl der Wert einer Banknote so schnell, dass sie einfach mit einem neuen Betrag überstempelt wurde.


Gelsenkirchener Inflationsgeld

Da die Reichsbank nicht mehr mit dem Drucken neuer Banknoten hinterher kam, wurde sogenanntes Notgeld regional eingeführt. Diese Scheine sollten fehlendes Wechselgeld für die Wirtschaft bereit stellen.


Inflationsgeld der Privatwirtschaft

Auch private Unternehmen begannen 1923 Geld zu drucken, um damit die Angestellten zu bezahlen.

Kaum vorstellbar: Sie kommen am Zahltag mit einer Schubkarre zur Arbeit, ihr Arbeitgeber füllt die Schubkarre mit eigenen Banknoten und danach bekommen Sie und Ihre Kollegen den Rest des Tages frei und liefern sich ein Wettrennen um die notwendigsten Lebensmittel zu kaufen. Und das alles bevor die Schubkarre voll Geld nichts mehr wert ist.


Währungsreform mit der Rentenmark

Im November 1923 eingeführt galt die Rentenmark als Mittel die Hyperinflation zu beenden. Der Wechselkurs belief sich auf 1 Billion Mark zu einer Rentenmark und zeigte schon 1924 Erfolge bei der Eindämmung der Inflation.

Das besondere an der Rentenmark war, dass sie nicht wie bisher Gold- oder Dollar-Kurs gebunden war, sondern über Schuldverschreibungen in Form von Grund und Boden gedeckt war. Dadurch konnte eine starke Akzeptanz erreicht werden und bereis am 30. August 1924 konnte wieder eine kursgebundene Währung in Form der Reichsmark eingeführt werden, welche einen Wechselkurs von 1 zu 1 zur Rentenmark hatte. Die Rentenmark als solches war bis 1948 als Parallelwährung weiterhin gültig.

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