Liberating Gelsenkirchen

Der lange Weg zum 10. April 1945

Feldpost

In Zeiten analoger Kommunikation wurde die Feldpost, wie auch schon im Ersten Weltkrieg, zur wichtigsten Möglichkeit seiner Familie, Freunden und Kameraden ein kurzes Lebenszeichen zu geben. Mit Feldpost gekennzeichnete Briefe wurden kostenlos vom Postsystem befördert, jedoch dauerte die Zustellung mitunter mehrere Monate. Selbstverständlich unterlag  die Korrespondenz einer besonders strengen Kontrolle und Zensur, jedoch lässt sich oftmals zwischen den Zeilen mehr lesen, als es die eigentlich Worte hergeben.

Auf dieser Seite möchten wir Ihnen einzelne Briefe von und nach Gelsenkirchen vorstellen. Zusammenhängende Korrespondenzen finden Sie unter unseren Zeitzeugen.

Feldpostbrief vom 01.02.1944, von Gelsenkirchen-Buer nach Neuwied

Buer, den 1.2.44

Mein lieber Mimmi!

Die herzlichsten Grüße aus dem Urlaub sendet dir "Jimmy"! Habe heute Morgen mit großer Freude deinen Brief erhalten.

Mit einigem Schmunzeln habe ich gelesen, dass du jeden Tag den P...* wechselst. Mir geht es augenblicklich genau so. Hier in Buer spielen augenblicklich vier erstklassige Kapellen, 2 davon holländisch.

Mit den Frauen ist hier auch allerhand los. Gestern abend habe ich noch anständig Kleinholz gemacht. Ich stehe auf dem Standpunkt, dass man nie weiß, ob man nochmal Urlaub bekommt, darum immer ran!

Ich will jedoch nicht hoffen, dass dein Urlaub Essig ist, jedenfalls drücke ich beide Daumen. Ich bin gepannt, wo ich jetzt hin komme, na erst gehts mal nach Berlin.**

So, nun will ich mal Schluss machen für heute.

Es grüßt dich recht herzlich dein Jimmy

 * "P..." = Puff; ** Schmierflecken sind kommentiert mit "Mein Siegel"

Diese Feldpost ist symbolisch für die oftmals langen Zustellwege: Obwohl am 2.2.1944 abgeschickt, war die Post am 13.06.1944 noch immer unterwegs. Vermutlich war der Empfänger ein Opfer des Bombenkrieges und konnte unter der benannten Anschrift nicht mehr angetroffen werden und die neue Anschrift war nicht zentral erfasst worden.

Feldpostkarte vom 6.5.44, von Gelsenkirchen-Buer nach Siebnach/Ettringen

Liebe Agnes!

Sonntag bis 16:00 nachmittags geschlafen. Draußen Regenwetter. Werde heute abend ins Kino gehen. Ich habe ein gutes Bett. So wie jetzt kann man sich das Soldatenleben gefallen lassen. Dienst streng. Unterkunft gut, alles gut.

herzl. Grüße Dein Ewald.

 Feldpostbrief vom 4.12.44, vermutlich aus Belgien (B) nach Gelsenkirchen

Mein liebes Frauchen,

unsere Abfahrt in den neuen Einsatzraum verzögert sich. Wir liegen hier mit der gesamten Kompanie noch tatenlos herum. Die neue Einheit hat den Lazarettbetrieb hier bereits übernommen. Wir packen und verladen so langsam unser Material. Die übrige Zeit füllen wir mit Kartoffelschälen und Instandsetzen unserer Brocken. Am schönsten ist ja die ausgedehnte und bislang noch ungestörte Nachtruhe, da holen wir Versäumtes wieder gut auf.  Nun wenn wir in einer Holzbaracke auf Stroh liegen, so gestattet uns der Waldreichtum der Eifel doch die anständige Heizung unseres Ofens. Da ist es erst behaglich. Ich lese zwischendurch auch eifrig in Hitlers Kampf. Es ist sehr interessant, zu betrachten, wie uns eine falsche Bündnispolitik in den ersten Weltkrieg trieb, doch ebenso tragisch, wenn man bedenkt, dass uns auch diese Erkenntnis nicht davor bewahrt hat, jetzt widerum in eine so schwierige Lage zu geraten.

Von neuen Abenteuern grüßt dich heute lieb wie immer dein Meütle.

Bei dem Absender dürfte es sich um einen Angehörigen der Sanitäts-Kompanie 326, 326. Volks-Grenadier-Division (Feldpostnummer 66627) handeln. Diese Division war in der Ardennenoffensive eingesetzt und wurde im Frühjahr 1945 fast vollständig vernichtet.

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