Liberating Gelsenkirchen

Der lange Weg zum 10. April 1945

Erster Weltkrieg

Propagiert als "Krieg, um alle Kriege zu beenden", brachte der Erste Weltkrieg in einer bis dahin nicht gekannten Form das industrialisierte Töten mit sich. Heute spricht man im Zusammenhang mit dem Ersten Weltkrieg von der "Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts", wie kein anderes historisches Ereignis zuvor beeinflusste insbesondere das Ende des Ersten Weltkrieges den Verlauf der Geschichte.

Der erste britische Kriegstote verstarb in Gelsenkirchen

In seinem Buch "Meeting the Enemy - The Human Face of the Great War" beschreibt der Autor Richard van Emden das Schicksal des britischen Staatsbürgers Henry Hadley, die wir an dieser Stelle gekürzt wiedergeben:

Hadley arbeitete vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges als Lehrer in Berlin und entschied sich am 4. August die Hauptstadt zusammen mit seiner Haushälterin in Richtung Paris zu verlassen. Sie fuhren gemeinsam mit einer großen Zahl mobilisierter deutscher Soldaten in Richtung Köln, von wo aus ein Anschlusszug nach Paris erreicht werden sollte. Während des Haltes in Gelsenkirchen verließ Hadley das Abteil und kurze Zeit später hörte seine Haushälterin einen Tumult. Als sie die Tür des Abteils öffnete fand sie Hadley, angeschossen durch den deutschen Leutnant Nicolay, auf dem Boden liegend vor. Danach wurden beide von deutschen Polizisten und einem Offizier abgeführt und erst nach der Prüfung ihrer Papiere wurde Hadley per Ambulanz in ein Gelsenkirchener Hospital verbracht.

Henry Hadley verstarb am 5. August 1914 um 3:15 im Alter von 51 Jahren an den Folgen des erlittenen Bauchschusses, nur wenige Stunden nach der britischen Kriegserklärung an das Deutsche Reich. Er gilt somit als der erste britische Tote durch Feindeinwirkung im Ersten Weltkrieg. Bestattet wurde er in Gelsenkirchen, jedoch ist der genaue Ort über die Jahrzehnte in Vergessenheit geraten...

Eine von der britischen Regierung eingeforderte Untersuchung des Zwischenfalls durch das Deutsche Reich ergab, dass Leutnant Nicolay das Verhalten Hadleys auffällig fand und ihn darauf hin befragte. Als Hadley jedoch ausweichend anwortete, wollte Nicolay ihn, wohl unter dem Verdacht der Spionage, verhaften. Wärend dieser Verhaftung soll es dann zu einem Handgemenge und dem tödlichen Schuss gekommen sein. Nicolay wurde in Folge der Untersuchung von allen Verdachtsmomenten des Mordes freigesprochen und zum Hauptmann befördert. Die britische Regierung verurteilte den Tod Hadleys als Mord.

Heimatfront

Auch wenn der Erste Weltkrieg weder zu Boden, noch in der Luft auf bzw. über Gelsenkirchen geführt wurde, so waren die Auswirkungen jedoch deutlich zu spüren.

Über die direkten Kriegsfolgen durch gefallene, verwundete und traumatisierte Angehörige, trafen die Bevölkerung insbesondere zum Ende des Krieges hin massive Versorgungsengpässe bei allen lebensnotwendigen Gütern.

Einkochen ohne Zucker

Heute aktueller denn je, bietet dieses nützliche kleiche Heftchen aus dem Jahre 1917 eine Vielzahl von Rezepten der zuckerfreien Küche.

Viele leckere Rezepte verstecken sich in diesem Büchlein, jedoch sollte man sich immer darüber im Klaren sein, dass der Verzicht auf Zucker heute ein Luxusproblem ist. Damals bedeutete der Verzicht auf Zucker jedoch das Wegfallen einer wichtigen Zutat für das tägliche Essen.


Währung aus der Zeit des Ersten Weltkrieges

Während das Aussehen von Mark und Pfennigen über die 1910er Jahre hin unverändert blieb, so nahm jedoch die Qualität des Materials im Verlauf des Krieges ab, da die meisten Metalle als wichtige Rohstoffe gebraucht wurden, wurden das Papiergeld dünner und die Münzen dunkler, da nur noch minderwertiges Metall verwendet wurde.


5 Prozent Anleihe des deutschen Reichs

Diese Anleihen sollten es der Regierung ermöglichen auch von Bürgern mit kleinerem Einkommen Beträge zu leihen. Die 5 jährige Laufzeit mit Enddatum am 1.7.23 lässt erahnen, wozu die massenhafte Vergabe solcher Anleihen führte: Direkt in die Hyperinflation.


Notgeld aus Gelsenkirchen und Buer

Bereits während des Krieges wurde sogenanntes Notgeld ausgegeben. Mit dem Notgeld sollten Lücken in der Bargeldversorgung geschlossen werden.

Für die Herstellung und Ausgabe von Notgeld waren die jeweiligen Städte bzw. Kreise zuständig, wodurch sich zahlreiche verschiedene Varianten im Aussehen ergaben.

 

Ersatzwährung des Kriegsgefangenenlagers Scholven

Gestempelt mit: "Königl. Grubenbetriebskasse zu Zweckel - Post Gladbeck"

Diese Scheine dienten den in Scholven bei der Zeche Zweckel eingesetzten Kriegsgefangenenen als Währung um sich, wie heutige Strafgefangene auch, etwas Geld verdienen zu könnnen. Allerdings waren die Lagerbedingungen damals absolut nicht mit denen heutiger Gefängnisinsassen zu vergleichen.


Katholisches Kirchenblatt

Für die St.-Hippolytus-Pfarrgemeinde Horst (Emscher) vom 18 März 1917.

Neben den Neuigkeiten aus der Gemeinde enthält diese Ausgabe des Kirchenblattes auch die Werbung für die sechste Kriegsanleihe und ist somit ein gutes Beispiel dafür, wie sehr das tägliche Leben durch den Ersten Weltkrieg geprägt war.

Feldpost von und nach Gelsenkirchen

Oftmals war eine Postkarte die einzige Verbindung zu den Angehörigen in der Heimat oder an der Front. Kurze Nachrichten brachten Angehörigen und Freunden die Gewissheit über das eigene Wohlbefinden, aber auch ungewisses Warten auf Antwort oder über den Verbleib eines Angehörigen.

Buer 31.12.14

Lieber Heinrich,
Heute haben wir den letzten Tag im alten Jahr. In d. haben wir schon Elend genug mitgemacht. Wer weiß was im Neuen noch alles mitmachen müssen. An d. Tag wirst d. auch erst noch im Schützengr. liegen. Wenn du nur mit dem Leben davon kommst. Es grüßt d. recht Herzlich d. Restfamilie

Lebe noch bis auf Wiedersehen! Heinrich Lisbeth!

Diese Postkarte an den Reservisten Heinrich Steins (1. Marine Division, Marine Korps, 2. Matrosen Artillerie Regiment, 2. Marine Brigade, 7. Kompagnie) wurde mit dem Vermerk "Vermisst" an den Absender zurück geschickt.



Frontbrief den 10.02.15

Geehrte Frau Sommerfeld,

Ich habe die Zeitung erhalten am 4.2. worüber ich mich sehr gefreut habe zu der schönen Zeitung, und wovür Ich Ihnen herzlich dank übersende Frau Sommerfeld. Ich kann Ihnen mitteilen das es mir bis jetzt sehr gut geht und bin auch gesund. Sorge ist nicht meins

Schöne Grüße von J. Hayazewski

Adressiert an eine Frau Sommerfeld aus der Schlüterstraße 1 in Gelsenkirchen, zeugt dieser Brief davon, wie schon eine einfache Zeitung den Soldatenalltag aufhellen konnte. Der Absender war zu dem Zeitpunkt des Briefes bei der 17. Reserve-Division und vermutlich in Frankreich.


Buer 22.05.15

Geliebte Freundin!

Haben Ihr wertes Paket erhalten und sage Ihnen hiermit meinen verbindlichsten Dank. Und wünschen Ihnen sowie Ihren lieben Eltern Fröhliche Feiertage. In tiefer Verrehrung Grüße ich herzlichst ihr Freund Artur Thieme

Ein ausführlicher Brief folgt zu den Feiertagen Es grüßt unbekannt [???] Aug. Krelz

Bei dem Absender handelt es sich nicht um einen Einwohner Buers, sondern einen Patienten im Vereinslazarett Buer.


28./8.15

Liebes Elislein!

Vor allem danke ich dir herzlich für deinen großen Brief, nun werdet ihr die Giesinger Tour hinter euch haben. Auf das heiße Küssen freue ich mich richtig, ich kanns fas nicht erwarten. Wann tretet ihr den Nachmittagsausflug nach reichisch Colmar an? Ihr werdet doch hoffentlich auch Ansichtspostkarten von dort schicken. Herzliche Grüße auch an dich von deinem Vetter Hans erwünscht.

Diese Feldpost wurde aus dem Königlichen Reservelazarett, Abteilung Marienhospital in Gelsenkirchen verschickt.


Mein innig geliebtes, treues Aennchen!

Sende dir und allen l. Angehörigen einen herzlichen Sonntagsgruß. Brief folgt heute Nachmittag. Nochmals herzl. Gruß u. innigen Kuß von deinem treuen Ferdinand

Bei dem Absender handelt es sich um den Vizefeldwebel Fedinand Vogel (Ersatz-Pionier-Bataillon 5, 4. Rekruten-Regiment) statuioniert in Glogau (Schlesien), der vermutlich seiner Partnerin Aenne Buchen auf der Vohwinkelstr. 79 in Gelsenkirchen schreibt.


Lieber Fritz!

Habe deine erste Karte erhalten, wofür herzlichsten Dank. Bin noch immer gesund und munter welches ich auch von dir hoffe. Was Frau Katzung u. Frau Nollsand hatten werde ich dir mal später erzählen. Sonst nichts neues. Mit Gruß Fritz

Abgesendet aus Buer Resse, ging diese Karte an den Musketier Fritz Karpa in Bautzen (Sachsen).


Weihnachtsgrüße 1915 aus dem Felde

Absender: Uffz. Josef Schrade, Garde Armeekorps, I. Garde=Inf.=Division, 3. Sanitätskompanie

An: Frau Josef Schrade, Horstermark, Poststr. 13


Lieber Illy!

Noch ein Kärtchen zur Sammlung sendet dir dein Onkel Willy mit herzl. Gruß

Onkel Willy

Der Absender diente in der 1. Kompangnie, Landsturm-Armierungs Btl. No. 74, XXXX Reservecorps.


Geschr., den 20.09.16

Liebe Frau!

Schicke dir hiermit ein Andenken, es ist das Grab eines gefallenen Kameraden. Den werde ich wohl nie vergessen Können. Ich bin somit noch gesund und munter. Herzliche Grüße nd Küsse sendet euch euer Josef. Gruß und Kuss für Traudchen. Auf Wiedersehen

Absender: Uffz. Josef Schrade (3. Sanitätskompanie, 1. Garde-Infanterie-Division), wohnhaft in der Horstermark (heute Gelsenkirchen Horst). Auf dem Grabkreuz stehen Krankt. Hermann Heyde (San. Komp. 3) & Gefr. Otto Heck (San. Komp. 1), beide gefallen am 3.9.16.


Lieber Schneckenberger!

Von meinem Urlaub sendet dir die besten Grüße dein Kamerad Kesken

seller! jell!!!

Empfänger dieser Nachricht aus Gelsenkirchen war der Dragoner Schneckenberger, Ersatz Dragoner 22.


Berlin, Heimatstr. 58I v. 22.5.17

Lieber Gilles. Wir haben beide heute das Trauma glücklich überstanden.

Für deinen Brief besten dank. Hoffentlich erfüllt sich auch dein Wunsch, du kannst dir denken, daß wir jetzt ausgezeichneter Laune sind.

Hier kann ich mich nach den 5 Wochen noch nicht so recht an den Gedanken gewöhnen, daß ich sicher ins Feld muß.

Wir werden dir heute ein kleines Paket schicken. Hoffentlich erreicht es dich noch d. H.

Bis heute auch herzl. Grüße auch von Gefr. Hardesch

Dein Am

Auch von mir herzliche Grüße und gute Hoffnung. Wir sind beide froh, daß wir jetzt über den Berg sind. Ihr alter Skat- und Dienstgenosse

Mundi

Dieser Brief wurde offenbar von zwei Personen verfasst und an den Gefreiten Gilles im Vereinslazarett Resse Geschickt. Die Absender dienten im Reserve-Infanterie-Regiment 80, 3. Maschinen-Gewehr-Kompanie.

 

Gelsenkirchen 22.5.17

Mein lieber Kühnel!

Herzl. Dank für deine Karte. Wie packst denn eigentlich? Ich denke auch so viel an ver. Jahr um diese Zeit, in Engelheim war es wohl schön. Könnte man da nur im Frieden einige Wochen sich erholen. Hier geht es so ziemlich u. bin erfreut zu hören, daß es dir gut geht. Bin jetzt a. w. Recht herzl. Grüße stehts Dein Cl. Barenbrügge

Diese Feldpost ging an den Soldaten Kühnel (I. Zug, 1. Kompanie, Landsturm Bataillon XII/19 - deutsche Feldpost 258). Der Absender Barenbrügge war wohnhaft auf der Schützenstr. 9 in Gelsenkirchen.


Gelzenkirchien den 22.06.1917

Die besten grüße an die ganze Familie sendet euch Karl gruß an meine Frau und Kinder auf Wieder sehen bis nachste Woche dann filleicht in Urlaub

Karl Murawski

Der Absender diente dem Foto nach beim 14. Landsturm-Infanterie-Ersatz-Bataillon, VII. Armee-Korps. (Die Rechtschreibung haben wir so vom Original übernommen.)


Die besten Grüße zum Jahreswechsel sendet dein lieber Papa

Abs. Fred Kortmann

Diese Karte zeigt auf der Vorderseite eine gemischte Gruppe aus Ärzten, Pflegekräften (inkl. Kindern) und Patienten des königlichen Reservelazarett Abt. Marien-Hospital, Gelsenkirchen.

Die Bildunterschrift lautet: Ausflug nach dem Bismarkhain am 27.9.17


14.11.18

Liebe Hilde!

Teile Ihnen mit, das ich jetzt glücklich in Deutschland gelandet bin. Leider etwas zu weit weg von der Heimat. Bald bin ich wieder hergestellt, dann gibt es ein Wiedersehen.

Helmut

Der Absendert war ein Sanitäts- Unteroffizier, der zur Behandlung im Vereinslazerett in der Grillostraße untergebracht war. Leider ist der Nachname nicht zu entziffern.

Gelsenkirchener in Uniform

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