Liberating Gelsenkirchen

... weil wir GEschichte L(I)EBEN!

Alltag unterm Hakenkreuz

Wie schon im Kaiserreich und der Weimarer Republik, gab es auch im Gelsenkirchen des Nationalsozialismus eine Reihe von Dingen die den Alltag bestimmten. Vom Ahnenpass, der über den Stand in der Gesellschaft bestimmte, bis hin zum Gelsenkirchener in Uniform möchten wir hier einen Einblick in den typischen Haushalt des Dritten Reiches und die allgegenwärtigen Strukturen der Nationalsozialisten geben.

Ausweisdokumente & Alltagsgegenstände

Ahnen-Pass Annette Eickers

Annette Eickers, geboren 1932, muss schon als junges Mädchen ihren eigenen Ahnen-Pass erhalten haben.

Glücklicherweise kam sie nicht mehr in die Pflicht ihn ausfüllen zu müssen - bei Kriegsende war sie erst 12 Jahre alt.


Taschenkalender 1938

Hergestellt von der Firma WELLA wurde dieser Taschenkalender durch den "Damen- u. Herren-Friseur-Salon Fr. Hilde Bücher" in Gelsenkirchen Hüllen, Westfalenstrasse 25, verteilt.

Gesundheit

Impfpflicht

Im deutschen Kaiserreich wurde 1875 erstmals eine allgemeine Impfpflicht gegen Pocken eingeführt. Während der Weimarer Republik und auch im Nationalsozialismus wurde diese jedoch gelockert und während des Zweiten Weltkrieges sogar zeitweise für Zivilisten ausgesetzt.

Aus den Unterlagen von Annette Eickers sind noch zwei Impfbescheinigungen erhalten. Die rosafarbene Bescheinigung dürfte jene gegen Pocken sein. Ausgestellt wurde diese von Dr. med. L. Meese, Hochstraße 17, Buer in Westfalen am 15. Mai 1939.

Die zweite Impfbescheinigung weist die zweimalige Schutzimpfung gegen Diphterie aus. Diese Impfung ist von der Stadt Gelsenkirchen am 26.11.1940 ausgestellt worden und diente der Vorlage bei Behörden, Kindergärten.

Kindheit & Jugend

Spielzeugpistolen aus Blech

Beliebtes Kinderspielzeug der 30er und 40er Jahre: Die Modelle "BODO", "CID" und "UDO". Speziell für kleine Kinderhände gefertigt, war dieses Spielzeug natürlich auch schon eine Vorbereitung auf die spätere Ausbildung an größeren Waffen in der Hitlerjugend.

Diese Spielzeuge sind ohne Schussfunktion.


Schulbescheinigung

"Das Kind Annette Eickers, Buer, geb. 12.7.32, ist vollkommen gesund und kann ohne Bedenken in die Schule aufgenommen werden."

Bescheinigt durch Dr. med. L. Meese, Hochstr. 17, am 29.1.38 in Gelsenkirchen-Buer.


Zeugnisse

Die ersten vier Schuljahre verbrachte Annette Eickers auf der Volksschule in der Pfefferackerstraße 11, Gelsenkirchen-Buer. Aus dieser Zeit entstammt das gesonderte Zeugnis über die Teilnahme am katholischen Religionsunterricht aus dem 4. Schuljahr, ausgestellt am 17. Juni 1942.

Anschließend wechselte Annette auf die Droste-Hülshoff-Schule, Oberschule für Mädchen zu Gelsenkirchen Buer. Dort waren die Schuljahre in Drittel aufgeteilt. Zum Ende des erstens Schuljahres an der weiterführenden Schule gab es ein eher durchwachsenes Zeugnis mit folgender Beurteilung:

"Annette isr sehr fleißig und rege im Unterricht. Der Gesamterfolg ist richtig befriedigend"

Das zweite Zwischenzeugnis für das Jahr 1945 ist gezeichnet von den Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges: Es wurde handschriftlich auf den "Schulverband Bottrop, Gels.-Buer u. Herten" geändert. Solche Schulzusammenschlüsse waren üblich um trotz Zerstörung und Lehrermangel einen Schulbetrieb aufrecht halten zu können.

Arbeit & Geld

Lohnsteuerkarte 1937

Ausgestellt auf den Bergmann Adolf Grenda, wohnhaft in der Bottroper Str. 20 in Gelsenkirchen-Horst. Einige der Eintragungen gibt es noch heute, jedoch ist dieses vierseitige Dokument im Umfang nicht mit heute vergleichbar.


Wirtschaft & Wehrmacht

Die Einberufung von Soldaten hatte bisweilen Einfluss auf die Produktionsfähigkeit der Wirtschaft. So zeigt dieses Ersuchen der Dortmunder Union Brückenbau-Aktiengesellschaft aus dem Jahr 1943, dass teilweise Angehörige der Wehrmacht beurlaubt werden mussten um Leistungen für die Industrie zu erbringen.

Vergnügen, Kultur und Freizeit

Programm "Bunte Bühne" Gelsenkirchen

Leider nicht ganz vollständig, aber ein tolles Beispiel für das Unterhaltungsprogramm Gelsenkirchens in den frühen Kriegsjahren. Trotz des Bombenkrieges wurde Unterhaltung geboten. Durch die vielen Lazarette in der Stadt dürften diese Angebote auch immer stark von Soldaten frequentiert worden sein.

In diesem Programm der ersten Märzhälfte 1941 gibt einen spannenden Einblick auch in die Herkunft der jeweiligen Künstler: So traten unter anderem ein deutsch-russisches Ballett und ein mexikanisches Duett auf.

Einen interessanten Einblick in die Vergangenheit bieten hier auch die zahlreichen Werbeanzeigen unter anderem vom Westfalen Kaufhaus (WeKa) und der Glückauf Brauerrei, die auch noch lange nach dem Zweiten Weltkrieg weit über Gelsenkirchen hinaus bekannt waren.

Die "Bunte Bühne" befand sich auf der Bochumerstr in Ückendorf und wurde in den Nachkriegsjahren für deutsch-sowjetische Freundschaftsfeste von der KPD genutzt.

Gelsenkirchener im Nationalsozialismus

Hier geht es weiter
Zurück zum Anfang